05086 Risiken, Herausforderungen und Möglichkeiten der Schichtarbeit
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Dieser Beitrag erklärt, warum Schichtarbeit für die betroffenen Beschäftigten oft mit großen psychisch-sozialen und physischen Belastungen verbunden ist und welche gesundheitlichen Probleme daraus entstehen können. Die Schwerpunkte des Beitrags sind Antworten auf die folgenden Fragen: Mit welchen Maßnahmen kann eine gesundheitsfördernde Arbeit im Rahmen einer modernen Schichtplangestaltung erreicht werden? Was sind die wichtigsten Schichtsysteme bzw. -modelle, und welche Vor- und Nachteile haben sie aus der Perspektive des Arbeits- und Gesundheitsschutzes? In diesem Kontext werden insbesondere das Dreischichtsystem und die Nachtschicht beleuchtet. von: |
1 Grundlagen: Definition, Rechtslage, Gesundheitsrisiken
Frühschicht, Spätschicht, Nachtschicht – für derzeit rund 15 Prozent der Beschäftigten in Deutschland ist das die berufliche Realität. Schichtarbeit hat sich mittlerweile in vielen Branchen zumindest teilweise durchgesetzt. Insbesondere wird sie in der Industrieproduktion und im Gesundheitssystem eingesetzt, wo oft rund um die Uhr eine Produktionsstätte betrieben oder die Versorgung von Patienten in einer Klinik oder in einem Pflegeheim sichergestellt werden muss. Aber natürlich auch in den Berufen, die für die Ordnung und Sicherheit des öffentlichen (und privaten) Raums zuständig sind, wird in (24-Stunden-) Schichten gearbeitet: Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr und Rettungskräfte.
Wenn dringende betriebliche Erfordernisse vorliegen, kann aber jedes Unternehmen und jede Einrichtung zumindest vorübergehend Schichtarbeit anordnen, nicht nur in den oben genannten Branchen und Tätigkeitsfeldern. Die Grundlage dafür ist das Weisungsrecht des Arbeitgebers, wie es § 106 der Gewerbeordnung vorgibt [1].
Keine genaue verbindliche Definition
Trotz der zunehmenden Bedeutung der Schichtarbeit gibt es für sie allerdings keine einheitliche und rechtlich bindende Definition. In § 6 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) wird die Nachtschichtarbeit als die eigentliche Schichtarbeit genannt (Tagesschichten werden dagegen nicht explizit als solche definiert), daher wird ihr in diesem Beitrag auch ein eigener Abschnitt gewidmet.
Trotz der zunehmenden Bedeutung der Schichtarbeit gibt es für sie allerdings keine einheitliche und rechtlich bindende Definition. In § 6 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) wird die Nachtschichtarbeit als die eigentliche Schichtarbeit genannt (Tagesschichten werden dagegen nicht explizit als solche definiert), daher wird ihr in diesem Beitrag auch ein eigener Abschnitt gewidmet.
Nachtschicht: „eigentliche” Schichtarbeit
Weiterhin unterscheidet das ArbZG zwischen Nachtarbeit (meint gesetzlich jede Arbeit über zwei Stunden während der Nacht) und (nächtlicher) Schichtarbeit, obwohl bei der Nachtarbeit umgangssprachlich zumeist auch von einer Nachtschicht gesprochen wird.
Weiterhin unterscheidet das ArbZG zwischen Nachtarbeit (meint gesetzlich jede Arbeit über zwei Stunden während der Nacht) und (nächtlicher) Schichtarbeit, obwohl bei der Nachtarbeit umgangssprachlich zumeist auch von einer Nachtschicht gesprochen wird.
Abweichung von Normalarbeitszeit
Grundsätzlich aber meint Schichtarbeit sowohl in Gesetzestexten als auch der einschlägigen Fachliteratur eine Abweichung von der Normalarbeitszeit. Sie stört den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus des Beschäftigten, wechselt zumeist ständig zwischen Früh-, Spät- und Nachtschicht und findet häufig dann statt, wenn Menschen mit Normalarbeitszeiten ihr Sozial- und Freizeitleben führen. Mit anderen Worten: Neben den gesundheitlichen Risiken hat die Schichtarbeit auch schwerwiegende soziale Nachteile für den betroffenen Beschäftigten, die die gesundheitlichen Probleme, vor allem psychischer Natur, ebenfalls weiter verstärken können [1], [2].
Grundsätzlich aber meint Schichtarbeit sowohl in Gesetzestexten als auch der einschlägigen Fachliteratur eine Abweichung von der Normalarbeitszeit. Sie stört den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus des Beschäftigten, wechselt zumeist ständig zwischen Früh-, Spät- und Nachtschicht und findet häufig dann statt, wenn Menschen mit Normalarbeitszeiten ihr Sozial- und Freizeitleben führen. Mit anderen Worten: Neben den gesundheitlichen Risiken hat die Schichtarbeit auch schwerwiegende soziale Nachteile für den betroffenen Beschäftigten, die die gesundheitlichen Probleme, vor allem psychischer Natur, ebenfalls weiter verstärken können [1], [2].
Schichtarbeit auch soziale Belastung
Um negative Auswirkungen der Schichtarbeit so weit wie möglich abzubauen, wurden in der betrieblichen Praxis in den vergangenen Jahren angepasste Gestaltungsmodelle entwickelt und umgesetzt – oft unter direkter Einbindung der betroffenen Beschäftigten. Allerdings haben die bisherigen Erfahrungen gezeigt, dass stärkere körperliche und psychische Belastungen seitens der Schichtarbeiter auch unter günstigen betrieblichen Bedingungen nicht vollständig auszuräumen sind [3]. Somit ergeben sich für Mitarbeiter im Schichtdienst immer noch besondere Risiken bezüglich ihrer Gesundheit und ihrer Arbeitssicherheit, die eine weitere Verbesserung der betrieblichen Prävention dringend notwendig machen.
Um negative Auswirkungen der Schichtarbeit so weit wie möglich abzubauen, wurden in der betrieblichen Praxis in den vergangenen Jahren angepasste Gestaltungsmodelle entwickelt und umgesetzt – oft unter direkter Einbindung der betroffenen Beschäftigten. Allerdings haben die bisherigen Erfahrungen gezeigt, dass stärkere körperliche und psychische Belastungen seitens der Schichtarbeiter auch unter günstigen betrieblichen Bedingungen nicht vollständig auszuräumen sind [3]. Somit ergeben sich für Mitarbeiter im Schichtdienst immer noch besondere Risiken bezüglich ihrer Gesundheit und ihrer Arbeitssicherheit, die eine weitere Verbesserung der betrieblichen Prävention dringend notwendig machen.
1.1 Herausforderungen für das betriebliche Gesundheitsmanagement
Statistiken aus den Betrieben zeigen ein weiteres großes Problem: Aufgrund der ungewöhnlichen Arbeitszeiten können die Schichtarbeitenden Präventiv- und andere Gesundheitsmaßnahmen (Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)) nicht so intensiv nutzen wie Personen in einem (zeitlichen) Normalarbeitsverhältnis [2].
Wahrnehmung Gesundheitsangebote
Wie in vielen anderen Bereichen auch zeigt sich darüber hinaus auch bei der Schichtarbeit, dass die Teilnahme von in der Schichtarbeit tätigen Beschäftigten an BGF/BGM-Maßnahmen maßgeblich von der Betriebsgröße und der Branchenzugehörigkeit abhängig ist.
Wie in vielen anderen Bereichen auch zeigt sich darüber hinaus auch bei der Schichtarbeit, dass die Teilnahme von in der Schichtarbeit tätigen Beschäftigten an BGF/BGM-Maßnahmen maßgeblich von der Betriebsgröße und der Branchenzugehörigkeit abhängig ist.
Besonders gut ausgebaut sind einschlägige Maßnahmen vor allem in den Unternehmen, in denen ein größerer Teil der Gesamtbelegschaft im Schichtdienst arbeitet und wo die Planung, um eine möglichst große Zahl an Beschäftigten an BFG-/BGM-Maßnahmen teilhaben zu lassen, daher weniger problematisch ist. Aber auch in diesen Betrieben ist es nicht immer einfach, die Schichtplanung so zu gestalten, dass wirklich alle Schichtarbeitenden die zeitlichen Ressourcen haben, die BFG/BGM-Maßnahmen wahrzunehmen.
Zeitliche Koordination von BFG schwierig
Eine weitere Herausforderung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz ist, dass im Gegensatz zu den Beschäftigten in Normalarbeitszeit für die Mitarbeiter im Schichtdienst nur in seltenen Fällen die Möglichkeit besteht, ihre Arbeitstage beliebig zu verlängern – zum Beispiel, weil sie nach der Schicht noch private Verpflichtungen wahrnehmen müssen.
Eine weitere Herausforderung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz ist, dass im Gegensatz zu den Beschäftigten in Normalarbeitszeit für die Mitarbeiter im Schichtdienst nur in seltenen Fällen die Möglichkeit besteht, ihre Arbeitstage beliebig zu verlängern – zum Beispiel, weil sie nach der Schicht noch private Verpflichtungen wahrnehmen müssen.
Mütter wählen oft Dauernachtarbeit
So wählen beispielsweise Frauen mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen oftmals die Dauernachtarbeit, um tagsüber betreuen zu können. Dass eine solche Dauerbelastung schon aufgrund des Schlafmangels der Gesundheit nicht förderlich ist, liegt auf der Hand. Das BGF/BGM-Angebot eines Unternehmens muss daher auch diese besondere Personengruppe berücksichtigen. Große Unternehmen haben dabei viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten als kleinere, weil sie oft eigene diesbezügliche Einrichtungen wie Betriebskindergärten anbieten können.
So wählen beispielsweise Frauen mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen oftmals die Dauernachtarbeit, um tagsüber betreuen zu können. Dass eine solche Dauerbelastung schon aufgrund des Schlafmangels der Gesundheit nicht förderlich ist, liegt auf der Hand. Das BGF/BGM-Angebot eines Unternehmens muss daher auch diese besondere Personengruppe berücksichtigen. Große Unternehmen haben dabei viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten als kleinere, weil sie oft eigene diesbezügliche Einrichtungen wie Betriebskindergärten anbieten können.
1.2 Physische, psychische und zeitliche Belastungen
Im Zusammenhang mit Schichtarbeit ergibt sich je nach tätigkeitsspezifischen Arbeitsanforderungen des jeweiligen Beschäftigungsbereichs und nach Dauer der Arbeitszeit für die Beschäftigten eine Vielzahl von physischen und psychischen Beschwerden [1], [2], [3].
Physische Belastungen: Beschäftigte in Schichtarbeit müssen während ihrer Schichten viel stehen, Arbeiten schnell mit den Händen ausführen sowie schwere Objekte tragen und heben. Zudem weisen ihre Arbeitsstätten oft ungünstige Arbeitsbedingungen auf: Lärm, Kälte, Hitze, Nässe oder Zugluft sind dort an der Tagesordnung.
Psychische Belastungen: Für diese Belastungen ist typisch, dass sie anders als physische Belastungen in der Regel unabhängig von der spezifischen Arbeitstätigkeit auftreten. An psychischen Belastungen können Personen erkranken, auch wenn die Arbeit physisch einfach ist und mit der Ausübung der Tätigkeit keine besonders große Verantwortung einhergeht.
Belastungen auch bei einfachen Tätigkeiten stark
Schichtarbeit weist aber besonders viele Belastungsfaktoren auf, die Ausgangspunkt einer psychischen Erkrankung sein können. Dazu zählen großer Termin- und Leistungsdruck, „Multitasking”, sehr schnelles Arbeiten sowie besonders zahlreiche Störungen und Unterbrechungen im Arbeitsablauf. Hinzu kommt, dass es sich bei einem Großteil der Schichtarbeiten zwar einerseits um monotone, standardisierte und einfache, andererseits aber dennoch oft mit großer Verantwortung verbundene Arbeitsaufgaben handelt.
Schichtarbeit weist aber besonders viele Belastungsfaktoren auf, die Ausgangspunkt einer psychischen Erkrankung sein können. Dazu zählen großer Termin- und Leistungsdruck, „Multitasking”, sehr schnelles Arbeiten sowie besonders zahlreiche Störungen und Unterbrechungen im Arbeitsablauf. Hinzu kommt, dass es sich bei einem Großteil der Schichtarbeiten zwar einerseits um monotone, standardisierte und einfache, andererseits aber dennoch oft mit großer Verantwortung verbundene Arbeitsaufgaben handelt.
Belastungen durch lange Arbeitszeiten: In der Schichtarbeit sind proportional mehr Menschen längeren Wochenarbeitszeiten ausgesetzt als Beschäftigte in Normalarbeitszeiten: Bei den Schichtarbeitern arbeiten nahezu 60 Prozent der Beschäftigten mehr als 40 Stunden pro Woche, bei den Beschäftigten mit Normalarbeitszeitverhältnis sind dies lediglich 45 Prozent.
Obwohl Schichtarbeit an sich schon mit einer Häufung unterschiedlicher Belastungen einhergeht, vergrößern die langen Arbeitszeiten die gesundheitlichen Risiken zusätzlich.
Gesundheitliche Beschwerden: Die oben genannten Belastungen führen in ihrer Summe teilweise zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Ein in der Schichtarbeit besonders häufig vorkommendes Gesundheitsproblem sind psychovegetative Symptome. Dazu zählen unter anderem ein allgemeines Müdigkeitsgefühl und dauerhafte oder zumindest periodisch auftretende Schlafstörungen. Dieses Problemfeld belastet, wie Studien zeigen, vor allem Beschäftigte mit vielen Nachtschicht-Einsätzen und allgemein Frauen, die im Schichtdienst arbeiten.
