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05087 Einführung und Gestaltung der Vier-Tage-WocheHerausforderungen und Handlungsfelder

Die Vier-Tage-Woche beschäftigt seit Langem die Arbeitswelt. Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema fällt auf, dass die Vier-Tage-Woche nicht einheitlich definiert ist und darunter unterschiedliche Varianten diskutiert werden. Folglich ist es notwendig, im Vorfeld zu klären, wie die entsprechenden Varianten bzw. Arbeitszeitmodelle gestaltet werden können und welche Herausforderungen, Handlungsfelder sowie Chancen und Risiken zu thematisieren sind. Der Beitrag diskutiert, welche betrieblichen Rahmenbedingungen und Ressourcen sowie Wünsche und Erwartungen der Beschäftigten methodisch und sachlich zu thematisieren und zu klären sind.
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1 Einführung

Diskussion verschiedener Modelle
Die Einführung und Umsetzung einer Vier-Tage-Woche als Arbeitszeitmodell beschäftigt seit Langem die Arbeitswelt. Auffällig dabei ist, dass der Begriff Vier-Tage-Woche nicht einheitlich definiert ist und unter diesem Begriff unterschiedliche Ansätze diskutiert werden, wie die bestehende wöchentliche Arbeitszeit nicht auf fünf, sondern auf vier Tage verteilt werden kann (s. Abb. 1).
Abb. 1: Beispiele für Vier-Tage-Woche [1]
Für Vollzeitbeschäftigte bedeutet das konkret, dass die tägliche Arbeitszeit bei einer 40-Stunden-Woche bei zehn Stunden, bei einer 38-Stunden-Woche bei 9,5 Stunden und bei einer 35-Stunden-Woche bei 8,75 Stunden läge. Eine andere Möglichkeit ist, die wöchentliche Arbeitszeit (mit oder ohne Entgeltausgleich) zu verkürzen. Die Beschäftigten würden somit einen Tag in der Woche weniger arbeiten [2].
Folglich sind die Diskussionen um die Vier-Tage-Woche von unterschiedlichen Ideen, Ansichten und Interessen geprägt [3]. Befürworterinnen und Befürworter der Vier-Tage-Woche sehen darin primär die Möglichkeit, den Beschäftigten ein attraktives Arbeitszeitmodell anzubieten, um sie langfristig an das Unternehmen zu binden. Die Debatte verändert sich grundlegend, wenn die wöchentliche Arbeitszeit nicht verkürzt, sondern auf vier Tage verteilt wird. Zu Recht stellte Stamer 2024 Folgendes fest: „Die systematische Übersicht der bestehenden Studien, Projekte und Experimente sowie die Ergebnisse der Onlinebefragung im Jahr 2024 zeigen, dass zur möglichen Einführung einer Vier-Tage-Arbeitswoche noch keine optimale Lösung gefunden wurde, die notwendige organisatorische, politische und rechtliche Rahmenbedingungen sowie Anforderungen der Unternehmen und Wünsche der Beschäftigten integriert” [4].
Einfluss auf Arbeitszeiten und Betriebsablauf
Vor der Einführung der Vier-Tage-Woche ist es daher notwendig, im Vorfeld zu klären, wie die entsprechenden Arbeitszeitmodelle gestaltet werden können und welche Herausforderungen, Handlungsfelder sowie Chancen und Risiken zu benennen und zu diskutieren sind. Denn die Einführung einer Vier-Tage-Woche wird sowohl die Arbeitszeiten der Beschäftigten als auch die betrieblichen Abläufe erheblich beeinflussen. Einerseits wird die Einführung einer Vier-Tage-Woche für Unternehmen vor allem betriebswirtschaftliche und (arbeits)organisatorische Herausforderungen mit sich bringen. Höhere Kosten und mögliche Störungen im Betriebsablauf stehen im Raum – insbesondere, wenn die Kundenanforderungen unverändert bleiben. Zudem kann die Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit und damit des zur Verfügung stehenden Arbeitszeitvolumens dazu führen, dass Unternehmen zusätzliche gut qualifizierte Beschäftigte benötigen. Dies wird angesichts des aktuellen und zukünftigen Fachkräftemangels eine große Herausforderung sein und unter Umständen die Wettbewerbsfähigkeit zahlreicher Unternehmen und Branchen gefährden.
Andererseits ist zu klären, welche Wünsche und Erwartungen die Beschäftigten derzeit in Bezug auf die Vier-Tage-Woche haben. Dazu ist es wichtig zu klären, unter welchen Voraussetzungen sich die Beschäftigten eine Vier-Tage-Woche wünschen: zum Beispiel eine Reduzierung der Arbeitstage bei vollem Entgeltausgleich oder bei verkürztem Entgelt? Sind die Beschäftigten bereit, bei gleichbleibender Wochenarbeitszeit täglich länger zu arbeiten? Wie möchten und werden die Beschäftigten einen zusätzlichen freien Tag in der Woche gestalten?
Ausschlaggebend wird dabei die konkrete Umsetzung sein. Die Wahl der passenden Variante einer Vier-Tage-Woche wird von verschiedenen Faktoren abhängen, darunter den Anforderungen des Unternehmens, den Bedürfnissen der Beschäftigten und den gesetzlichen Arbeitszeitregelungen [1]. Der Anspruch müsste lauten, die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit bedarfs- und gesundheitsgerecht nach arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen zu gestalten. Eine sorgfältige Abstimmung zwischen den Betriebsparteien ist dafür unerlässlich, um die bestmögliche Lösung für beide Seiten zu finden.

2 Mögliche Varianten der Vier-Tage-Woche

Auswirkungen der Modelle verstehen
Es existieren verschiedene Ansätze zur Umsetzung einer Vier-Tage-Woche, die je nach Wochenarbeitszeit, täglicher Arbeitszeit, Entgeltregelung und Verteilung der Arbeitszeit variieren (vgl. Abb. 2). Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, ist es wichtig, verschiedene Varianten zu verstehen und deren Auswirkungen auf unterschiedliche Arbeitszeitmodelle zu berücksichtigen.
Abb. 2: Mögliche Varianten der Vier-Tage-Woche (eigene Darstellung)

2.1 Variante 1: Gleichmäßige Verteilung auf vier Tage und unveränderte Wochenarbeitszeit

Diese Variante sieht vor, dass die wöchentliche Arbeitszeit unverändert bleibt und die Arbeitszeit des fünften Arbeitstags auf die verbleibenden vier Tage verteilt wird. Ausgehend von einer Vorteil: Entgelt und Wochenarbeitszeit bleiben unverändert
Wochenarbeitszeit von 40 Stunden bedeutet das, die tägliche Arbeitszeit auf zehn Stunden zu erhöhen. Ein Vorteil dieser Variante liegt darin, dass das Entgelt der Beschäftigten unverändert bleibt, da auch die Wochenarbeitszeit unverändert bleibt. Dabei sind die gesetzlichen Regelungen zu berücksichtigen: Das Arbeitszeitgesetz erlaubt eine Erhöhung der täglichen Arbeitszeit auf bis zu zehn Stunden unter der Voraussetzung, dass im Durchschnitt von sechs Monaten oder 24 Kalenderwochen nicht mehr als acht Stunden pro Tag gearbeitet wird. Bei einer täglichen Höchstarbeitszeit von zehn Stunden ist es zudem nicht mehr erlaubt, Mehrarbeit zu leisten.
Je nach Wochenarbeitszeit ergeben sich folgende Szenarien:
35-Stunden-Woche: Die wöchentliche Arbeitszeit von 35 Stunden wird auf vier Tage verteilt, was zu einer täglichen Arbeitszeit von 8,75 Stunden führt.
40-Stunden-Woche: Die wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden wird auf vier Tage verteilt, was zu einer täglichen Arbeitszeit von zehn Stunden führt.
Über 40 Stunden pro Woche: Bei einer Wochenarbeitszeit von mehr als 40 Stunden würde die tägliche Arbeitszeit zehn Stunden übersteigen, was dauerhaft die gesetzlichen Obergrenzen überschreiten würde.

2.2 Variante 2a: Reduzierung der Wochenarbeitszeit ohne Entgeltausgleich

Entgelt wird entsprechend angepasst
Die zweite Variante sieht eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit vor, bei der die Arbeitszeit auf vier Tage verteilt wird. Diese Reduzierung kann beispielsweise auf 80 % des bisherigen Volumens erfolgen. Das Entgelt wird – wie bei klassischen Teilzeitmodellen – entsprechend der reduzierten Arbeitszeit angepasst. Diese Variante bietet zwar den Beschäftigten mehr Freizeit, geht jedoch mit einem Einkommensverlust einher.
Die Szenarien für unterschiedliche Wochenarbeitszeiten sind:
35-Stunden-Woche: Bei einer Reduzierung auf 80 % reduziert sich die Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden. Diese Stunden werden auf vier Tage verteilt, was zu einer täglichen Arbeitszeit von sieben Stunden führt.
40-Stunden-Woche: Bei einer Reduzierung auf 80 % reduziert sich die Arbeitszeit auf 32 Stunden pro Woche, die auf vier Tage verteilt werden, sodass die Beschäftigten acht Stunden pro Tag arbeiten.
Über 40 Stunden pro Woche: Beispielsweise würde eine 45-Stunden-Woche auf 36 Stunden reduziert werden, was zu einer täglichen Arbeitszeit von neun Stunden führen würde.

2.3 Variante 2b: Reduzierung der Wochenarbeitszeit mit vollem Entgeltausgleich

Produktivität muss erhalten bleiben
In einer abgewandelten Variante (2b) wird die Wochenarbeitszeit reduziert, während das Entgelt unverändert bleibt. Dies bedeutet, dass die Beschäftigten weniger Stunden arbeiten, ohne finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen. Diese Variante sollte nur für die Unternehmen in Betracht gezogen werden, die ihre Produktivität nachweislich und dauerhaft auch mit reduzierter Arbeitszeit aufrechterhalten können.
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